Pünktlichkeit muss auch für Güterzüge gelten


Verspätungen von bis zu einer Woche bei DB Cargo sind ein Problem für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Karlsruhe/Berlin. Zu den Berichten über die von Bahnchef Dr. Richard Lutz am 11. März 2019 präsentierte angebliche Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr der Deutschen Bahn von etwa 80 Prozent sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung, Berichterstatter der FDP-Bundestagsfraktion für Güterverkehr und Logistik, in Karlsruhe (11.3.2019):

„Mich erreichen zurzeit täglich Meldungen von aufgebrachten Spediteuren aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen, die über immer mehr verspätete Güterzüge berichten. Mit verschiedenen Rechentricks versuchen der angeschlagene Bahnchef Dr. Richard Lutz und sein bisheriges Vorstandsteam die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr zu frisieren und schön zu rechnen. Jeder weiß, dass die Pünktlichkeitsquote von 80 Prozent im Februar 2019 Interpretationsspielräume hat.

In diesem Zusammenhang ist es eine Zumutung, wenn Güterzüge bis zu eine Woche verspätet bei den Kunden ankommen, wegen fehlendem Personal nicht gelöscht werden können und infolgedessen Güterzüge ausfallen und zusätzliche LKW-Fahrten gebucht werden. In der Fernverkehrs-Verspätungs-Logik von Herrn Lutz könnten infolgedessen Güterzüge erst ab einem Tag als verspätet gewertet werden.

Der Kombinierte Verkehr (KV) und mehr Qualität bei der Pünktlichkeit von Güterzügen müssen deshalb mehr in den Fokus des Regierungshandelns rücken. Man muss permanent wiederholen, dass die Logistik auf der Straße und der Schiene sowie auf dem Wasser und in der Luft ein Tagesgeschäft ist und wir uns unnötige Verzögerungen nicht erlauben dürfen.

Dafür brauchen wir zum Beispiel für die Rheintalbahn zwischen Mannheim und Basel, aber ebenso für das Mitterheintal zwischen Mainz und Köln, funktionierende Ausweichstrecken. Ich hätte dem noch amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn Dr. Richard Lutz und seinem Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla viele ihrer aktuellen Managementfehler verziehen, wenn sich beide offensiv und spürbar in den vergangenen Monaten um die Ausweichstrecken gekümmert hätten, was beide aber nicht getan haben. Dabei geht es vor allem um eine Optimierung von Bestandsstrecken und nicht um Neubaumaßnahmen, die erst in 20-30 Jahren wirken.

Es stellt sich ebenso die Frage, wie wir die Kapazitäten auf der Schiene deutlich verbessern können. Dabei muss man nüchtern feststellen, dass die Bahn-Infrastruktur trotz aller Bemühungen so marode ist, dass es in absehbarer Zeit kein 740-Meter-Zugnetz geben wird. Sehr viele Güterzüge sind heute unter 500 Meter lang. Alleine dieses Beispiel zeigt, was zu tun ist.“