JUNG: „Fehlende Ausweichstrecken: Wir sind auf einen schweren Bahn-Unfall im Mittelrheintal nicht vorbereitet!“

Berlin/Mainz/Koblenz. Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Verkehrspolitiker Christian Jung (Karlsruhe-Land) beschäftigt sich seit der Tunnelhavarie von Rastatt-Niederbühl im Jahr 2017 auch intensiv mit den beiden Mittelrheintalstrecken der Bahn. Wegen des weiter steigenden Aufkommens von Güterzügen zwischen Köln/Koblenz und Mainz/Frankfurt rechnet er wegen des Zustandes der Schieneninfrastruktur immer mit möglichen und unbestimmten Streckensperrungen, die sofort eintreten können. Nach verschiedenen Vor-Ort-Besuchen ist er zudem der Auffassung, dass die Deutsche Bahn und die Bundesregierung nicht auf einen schweren Bahnunfall im Mittelrheintal vorbereitet sind. Jung sagte nach der Veröffentlichung der Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von ihm und der FDP-Bundestagsfraktion „Sicherung von Zugfahrten entlang der Mittelrheintalbahn“ (Bundestagsdrucksache Nr. 19/10781) am Montag:

„Das Bahnchaos am Wochenende in Norddeutschland zwischen Hamburg und Westerland/Sylt zeigt auch für das Mittelrheintal: Wir dürfen es uns nicht zu einfach machen. Die Mittelrheintalstrecken der Bahn sind für die deutsche und europäische Bahn-Güter-Logistik eines der wichtigsten Nadelöhre überhaupt. Durch das Mittelrheintal werden täglich auch Gefahrgüter transportiert, so dass in den sechs alten Eisenbahn-Tunneln und ihren engen Schienenradien immer auch Brandschutz-Herausforderungen bestehen. Insgesamt ist es ein riesiges Problem, dass für das weiter steigende Aufkommen von Güterzügen zwischen Köln/Koblenz und Mainz/Frankfurt keine funktionsfähigen Ausweichstrecken (Redundanzen) für die benötigten Kapazitäten bestehen.

Bei Streckensperrungen von kurzer oder längerer Dauer würden alle Güter in der Regel auf Lkw verladen, da es ebenso auf dem Rhein wegen der nicht durchgeführten Vertiefung keine weiteren oder zu wenige zusätzliche Transport-Kapazitäten gibt.

Die Antworten der Deutschen Bahn und der Bundesregierung offenbaren, dass wir nicht auf einen schweren Bahn-Unfall im Mittelrheintal vorbereitet sind und dieser trotz der Beteuerung, die Gleise seien in einem sicheren und regelkonformen Zustand, nicht ausgeschlossen werden kann. Verschiedene Unfälle auf der links- und der rechtsrheinischen Strecke haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass viele sanierte Brücken und Tunnel marode waren, es aber immer noch sehr großen Handlungsbedarf gibt. So will die Deutsche Bahn den Horchheimer Tunnel (576 Meter) auf der Strecke zwischen Koblenz und Koblenz-Ehrenbreitstein aus dem Jahr 1902 im Jahr 2021 für rund 35 Millionen Euro sanieren.

Ich selbst sehe noch größere Herausforderungen und Optimierungsbedarf beim Brandschutz in den Tunnel auf der linksrheinischen Seite, die in den Jahren 1858/1859 gebaut wurden. Auch der Geröllschutz an den Hanglagen muss weiter sehr ernst genommen werden, was aktuelle und zukünftige Sanierungsprojekte bis 2025 im Millionenbereich offenbaren.“